Systemadministration…was ist das eigentlich?
Darüber, was Systemadministration ist und was Administratoren während ihrer Arbeitszeit so tun, wird viel spekuliert. Für die einen sind Sysadmins nichts weiter als lichtscheue Kellerkinder, die sich in ihrem fensterlosen Serverraum verstecken. Für Andere mögen diese Menschen technikbegeisterte Sonderlinge sein, die ihren Kaffee lieber mit ein paar EEPROMs bei 12 Volt am PCI-Bus genießen, als sich mit echten Menschen zu umgeben. Ja es wird sogar behauptet, dass Admins auf ernst gemeinte Fragen mit einem Kauderwelsch an Fachbegriffen antworten, um die Hilfesuchenden zu verschrecken. Und last but not least soll es noch jene geben, die die Systemadministratoren für wahre Genies halten, die in jeder Lage das Unmögliche möglich machen, wirklich verstehen wie Computer funktionieren und selbst Wunder in nur kurzer Zeit vollbringen können.
Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Aber wie sieht denn nun so ein typischer Tag eines Systemadministratos aus? Wie bewältigt er die Aufgaben, denen er sich stellen muss? Dies möchte ich euch am Beispiel des vergangenen Montags beschreiben.
Am Anfang war der Kaffee. Dieses Klischee ist alt und wahr. Denn ohne Kaffee läuft in der IT fast nix. Darum ist dies auch eine der ersten Amtshandlungen eines Systemadmins. Zuerst wirft man einen Blick ins What’s Up, um zu sehen ob irgendetwas ausgefallen ist und dann geht es ab zur Kaffeemaschine. Böse Zungen behaupten, wir werfen nur deshalb zuerst einen Blick in die Monitoringsoftware, damit wir auf dem Weg zum ersten Kaffee nicht von Störungsmeldungen überrascht und gestört werden. ;-)
Zurück im Büro beginnt bei uns im IT-Service das Montags-Meeting. Dieses Meeting ist eines der Ergebnisse des Lean Management Workshops, den wir vor einiger Zeit durchgeführt haben. Es dauert nur eine halbe Stunde und dient uns dazu die wichtigsten Aufgaben für die laufende Woche zu erfassen und zu planen. Die besprochenen Aufgaben und Themen halten wir auf einem Flip-Chart fest. Dies sorgt nicht nur für eine gute Übersicht, sondert motiviert auch wenn man erledigte Aufgaben streichen kann. Und nach nur 30 Minuten steht der grobe Schlachtplan fest und wir wenden uns unseren täglichen Aufgaben zu. Diese bestehen z.B. aus:
- dem Anfordern von Angeboten für neue Hard- und Software
- dem stellen von Kostenanträgen
- dem First Level Support für unsere Mitarbeiter
- Installation und Konfiguration unserer Systeme
Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch möchte ich euch nicht mit einer endlos langen Aufzählung von Tätigkeiten langweilen.
Vergangenen Montag standen abends nach Feierabend noch Wartungsarbeiten an unserer Serverinfrastruktur an. Nachdem die Kollegen und Kolleginnen bereits im Feierabend sind geht es bei uns erst richtig los. Ein Linux-Server muss auf neue Hardware umgezogen werden, ein Firmenblog ist zu aktualisieren und ein ESXi Hypervisor soll aufgerüstet werden.
Viele Menschen glauben, dass Systemadmins diese Arbeiten nur auf Grund ihrer hochqualifizierten Ausbildung, jahrelanger Berufserfahrung und tagelanger Fortbildungen und Workshops erledigen können. Andere glauben wir sind einfach die Menschen mit dem meisten Glück. Und ihr ahnt es schon, auch hier liegt die Wahrheit wieder irgendwo in der Mitte.
Auf einem Hypervisor laufen typischerweise mehrere Server, welche Dienste bereitstellen mit denen das Unternehmen sein Geld verdient. Sollte ein solcher Hypervisor bei einem Upgrade ausfallen stehen auch die darauf laufenden Server still und das Unternehmen verliert Geld. Sollte dies tatsächlich mal passieren und man schaltet versehentlich das ganze Rechenzentrum ab, sollte jeder Admin ein Ticket für einen Flug in ein Land besitzen, welches nicht in die EU ausliefert. ;-)
Damit das nicht passiert bereitet man ein Upgrade entsprechend vor. Benötigte Firmwareupdates werden heruntergeladen, Bootmedien vorbereitet und, man glaubt es kaum, Handbücher werden gelesen und man versucht soetwas wie einen Plan zu erstellen. Doch trotz guter Vorbereitung kann man sich nie sicher sein, dass Murphy einem nicht doch die Suppe bzw. den Feierabend versalzt. Wenn man das erste Mal ein BIOS Update über die EFI Shell durchführt wird die Klimaanlage benötigt um die Köpfe der Admins zu kühlen. Denn wer bleibt schon völlig emotionslos wenn der Server sinngemäß meldet “Wenn du jetzt auf den Knopf drückst, gibt es kein Zurück mehr”. Denn das bedeutet so viel wie “Schickst du das System jetzt auf die Bretter wird aus der Spät- eine Nachtschicht mit der Chance auf jede Menge Ärger am nächsten Morgen”.
Also werden noch kurz ein paar Stoßgebete gesprochen, die Finger gekreuzt und geprüft ob die Flugtickets noch gültig sind. Anschließend drückt man die ENTER-Taste und beobachtet gespannt die Meldungen auf dem Bildschirm. Erleichtertes Aufatmen, als das System nach durchlaufener Upgradeprozedur wieder zur Verfügung steht und fest steht, dass die Backuppläne B-D doch nicht benötigt werden. Hufeisen, Hasenpfoten und vierblättrige Kleeblätter können wieder zurück in die Schublade und kurz nach 22 Uhr kann der Admin auch Feierabend machen. Alles läuft, man muss nicht auswandern und hat das Gefühl die Technik mal wieder bezwungen zu haben.
Am nächsten Tag steht die Beurteilung und Dokumentation der durchgeführten Arbeiten an. Was ist gut gelaufen und was kann man besser machen? Was haben wir eigentlich wie gemacht und wo schreiben wir es auf, um es wieder zu finden? Oder war es doch alles gar nicht so schwer und wir schaffen es auch beim nächsten Mal ohne Schritt-für-Schritt Anleitung? Aber all diese Dinge sind nur nebensächlich, denn innerlich freut sich der Admin schon drauf den nächsten Hypervisor aufzurüsten und dabei erneut die Risiken einer mittleren Katastrophe einzugehen, nur um anschließend das Gefühl zu genießen mal wieder die Zukunft des Unternehmens gesichert zu haben. ;-)
Vielleicht versteht ihr nun etwas besser was wir Admins so tun. Und wenn ihr selbst ein Admin seid, hat dieser Artikel für euch vielleicht einen Wiedererkennungswert. :-)
Genießt den Rest der Woche.
Jörg Kastning
IT-Systemadministrator